Statement der Jury Projektförderung initiative neue musik berlin

Projektförderung im Bereich Neue Musik in Berlin

Die jährlich durch die initiative neue musik berlin vergebene Projektförderung des Berliner Senats ist stark unterfinanziert. Die Vielzahl an Projekten mit hoher künstlerischer Qualität kann nicht in angemessenem Umfang gefördert werden. Die Jury empfiehlt, den Etat auf mindestens €500.000 aufzustocken, um die Vielfalt der Neue-Musik-Szene Berlins zu sichern.

Die Jury der initiative neue musik berlin begegnet jährlich einer hohen Qualität an Projektanträgen zeitgenössischer Musik und Klangkunst in Berlin. Ensemble-Konzerte, Musiktheater, echtzeitmusik, freie Improvisation, elektronische Musik, Klangkunst, Vermittlungsprojekte, Konzertreihen und kleinere bis mittlere Festivals zeigen die weltweit einzigartige Diversität dieser Szene. Komponistinnen, Composer-Performer, improvisierende Musikerinnen, Instrumentalisten, Dirigentinnen, Musikdramaturgen und -wissenschaftler, führende Expertinnen in elektronischer Musik und grenzüberschreitende Künstler und Künstlerinnen verstehen, die Synergien der Metropole aufzugreifen und weiterzuverarbeiten.

Die Fördermöglichkeiten, die der inm-Jury zur Verfügung stehen, sind nicht annähernd ausreichend, dass sich das in der Stadt ansässige Potential Neuer Musik angemessen entfalten kann. In den vergangenen Jahren wählte die Jury 35-40 Projekte zur Förderung aus. Das Fördervolumen von €182.000 reicht nicht aus, um die Projekte angemessen auszustatten. Durch die mangelhafte Finanzierung finden die geförderten Projekte meist in stark reduzierter Form statt. Ergebnis sind nicht selten Honorare, die der geleisteten künstlerischen Arbeit nicht annähernd gerecht werden. Im nationalen wie internationalen Vergleich können Berliner Neue-Musik-Ensembles niemals konkurrenzfähig werden, wenn sie ihren Mitgliedern und Gästen keine angemessenen Honorare zahlen können. Komponistinnen und Komponisten, die der Stadt verbunden sind, vergeben ihre Uraufführungen häufig an andere Orte.

Wir appellieren an die Senatsabteilung für Kultur und an den Kultursenator Berlins, dieser Tendenz zur Verarmung der Kulturlandschaft Berlins entgegenzuwirken. Es droht die Prekarisierung einer ganzen Musikszene, die für Berlin sowohl als Stadt als auch als Standort der Avantgarde unabdingbar wichtig ist. Wir rufen dazu auf, diese kulturpolitische Chance zu nutzen und die Bedeutung und Ausstrahlung Berlins als internationales Zentrum einer zeitgenössischen lebendigen Musikszene zu stärken und auszubauen.

Entgegen gestiegener Lebenshaltungskosten und einem stetigen Zuwachs an Künstlern und Künstlerinnen ist der Etat der inm seit etwa zwanzig Jahren nicht erhöht worden. Wir fordern eine Aufstockung der Fördermittel der inm auf mindestens €500.000. Mit diesem Betrag wäre eine Ausstattung der Künstler und Künstlerinnen möglich, die die (Selbst-)Ausbeutung Kulturschaffender ausschließt und genügend Raum für die Förderung bestehender, hochkarätiger Institutionen und vielversprechender Newcomer gleichermaßen bietet. Diese Forderung ist alternativlos, will man langfristig nicht die kreative Verarmung und Abwanderung einer ganzen Szene in Kauf nehmen.

Berlin, im Dezember 2014

Jury der initiative neue musik berlin e.V.

Christa Brüstle (Musikwissenschaftlerin, Senior Scientist PostDoc für usikwissenschaft und Leiterin des Zentrums für Genderforschung an der Kunstuniversität Graz), Martin Daske (Komponist und Veranstalter), Prof. William Forman (Trompeter und Pädagoge, Hochschule für Musik "Hanns Eisler"), Christian Kesten (Vokalist und Komponist, Ensemble Maulwerker), Gisela Nauck (Musikwissenschaftlerin, Chefredakteurin der "Positionen. Texte zur aktuellen Musik", Radiojournalistin), Carolin Naujocks (Musikwissenschaftlerin, Radiojournalistin), Sarah Nemtsov (Komponistin)